Der Würger

Retinitis|Solaris

Er ist Beamter bei der Polizei,
leider kein Inspektor und auch kein Agent,
ein einfacher Buchhalter ist er nur,
gelangweilt und frustriert,
da noch lange nicht pensioniert,
von allen unterschätzt, ignoriert,
so gar nicht motiviert,
dazu ziemlich verkorkst und verklemmt:
nie schläft er ohne Hose und Hemd.

Schon in aller Früh zu Dienstbeginn
hat er nur den Feierabend im Sinn,
kann die Zeit kaum erwarten
die so zäh und träge fliesst
zwischen den Zahlen und Akten.
Doch seine Geduld wird stets belohnt,
denn wenn erst der Abend kommt
zeigt sich, dass noch ein ganz anderer ihn ihm wohnt.

Kaum bricht die Nacht herein
lässt er den Biedermann sein,
dann wird er zum Mörder, wird zum Killer,
ist ein Würger, wenn auch ein stiller.
Jeden Hals den er kriegt in die Finger,
drückt er zu, bis die Lippen dunkelblau,
der Körper regungslos, die Atmung flau.
Bei manchen geht es schnell, bei anderen braucht er länger,
am Ende sind sie immer tot, egal ob Frauen oder Männer.

Nach vollbrachter Tat geht er heim,
zuerst unter die Dusche, dann ab ins Bett,
immer nur mit Hose und Hemd.
Am nächsten Tag sitzt er wieder im Amt,
unscheinbar, als Mörder unerkannt,
der Spass an der Arbeit nicht überragend,
freut er sich umso mehr auf den Feierabend.

(c) Mike Denoth

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