Unsinn des Lebens

Retinitis|Solaris

Schon auf den Beginn hast du keinen Einfluss,
kannst dir Erzeuger, Planet, Kontinent nicht aussuchen,
vom Zeitpunkt ganz zu schweigen,
in den du hineingeboren wirst ohne deinen Willen.
Du wirst nicht gefragt,
musst es dafür ein Leben lang ausbaden.
Leben, das ist der Weg in den Tod,
auf dem jede Kurve die letzte sein kann,
du weisst nur nicht wann,
auch das wird dir nicht gesagt.
Während du auf das Ende wartest,
versuchst du die Leere zu füllen mit etwas,
das man Sinn nennt und doch sinnlos ist.
Bis der elektrochemische Prozess in deinem Gehirn,
den man Bewusstsein nennt, einfach aufhört,
alles vorbei ist und du verschwindest,
restlos und für immer.
Als hätte es dich mit deinem Leben nie gegeben.

Leben – davor und danach und dazwischen gibt es nichts,
ausser dem grossen Nichts.

(c) Mike Denoth

PS: Inspiriert durch die Association des Maîtres de Rien von Dieter Meier, entdeckt durch diesen Blogbeitrag von Milena Moser.

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Schicksal eines Schlampenschleppers

Schlampenschlepper

Ein Strassenkreuzer steht auf der Strasse
und macht sich Gedanken über die Schlampen,
die er abschleppt so dann und wann
vor die Bar zum Champagner tanken.

Doch selten es ihm die Damen danken,
lassen sich zwar schleppen bis sie wanken,
halten ihn sonst für einen Deppen,
zahlen nicht einmal das Tanken.

Muss er auch immer draussen warten
tut er sie nicht ungern schleppen,
die Prallen genauso wie die Ranken,
bis diese sich hingeben in weichen Betten.

Nicht nur das Tanken haben sie gemeinsam,
der Schlitten und die Schlampen:
irgendwann wird der Schlepper abgeschleppt,
doch landet er auf dem Schrottplatz statt im Bett.

(c) Mike Denoth

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Six String Cindy

Gitarre

Im Bauch ihrer Mutter überquerte
Cindy damals die Grenze bei Tijuana,
in San Diego betrat sie mit einem Schrei
die Welt, der bis heute widerhallt,
ihre Stimme geht durch Mark und Bein,
fährt dir direkt in die Eingeweide hinein.

Sie sang mit dem Radio im Duett
bevor sie sprach das erste Wort,
die erste Band gründete sie mit zehn,
die Schule schmiss sie mit sechzehn,
bald darauf ging sie von zu Hause fort
und nur mit der Gitarre ins Bett.

    Hey everything will be alright
    Six String Cindy is on the stage tonight

Seit zwanzig Jahren ist sie auf Tour,
jeden Tag an einem anderen Ort,
die Küste rauf und runter,
nirgends und doch überall daheim,
mit dem Rock’n’Roll verlobt,
in die Musik verliebt, nie allein.

    Hey everything will be alright
    Six String Cindy is on the stage tonight

Die Lichter gehen aus,
die Bühne wird hell,
die Zeit bleibt stehen,
gefriert zum Augenblick,
wenn Cindy in die Saiten greift
und von der Freiheit singt.

    Hey everything will be alright
    Six String Cindy is on the stage tonight

Das Publikum jubelt, tanzt und tobt,
vergisst den Alltag, alles wird gut,
den die Frau dort vorne
gibt ihnen alles und noch mehr,
Cindy rockt durch die Nacht,
singt und spielt mit voller Leidenschaft.

    Hey everything will be alright
    Six String Cindy is on the stage tonight

(c) Mike Denoth

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Tropennächte

Tropennächte

Der Kühlschrank brummt
mit der Klimaanlage um die Wette,
du liegst nackt im Bett ohne Decke,
an Schlaf ist nicht zu denken,
ans Andere schon gar nicht,
es ist nicht nur wegen der nervigen Mücke,
du klebst, bist klitschnass,
der Schweiss rinnt in Bächen
in diesen Tropennächten.

Die Luft ein einziges Flimmern,
Hitzestau zwischen den Mauern,
im Asphalt spiegelt sich der Himmel,
nimmst du im Springbrunnen eine Dusche,
ist die Erfrischung nur eine kurze,
Das Leben passiert in Zeitlupe,
die Gedanken kommen zum Erliegen,
jede Bewegung macht dich matter
in diesen Tropennächten.

Es ist Sommer in der Stadt,
die Strasse brennt,
die Sonne glüht,
Temperaturen steigen,
Hüllen fallen,
aufgeheizte Atmosphäre ohne Ende,
Schweiss und Schwüle sind kaum zu ertragen,
einzig der Eisverkäufer reibt sich die Hände,
in diesen Tropennächten.

(c) Mike Denoth

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Dein Duft

Duft

Es riecht nach …

… frischem Morgentau auf einer Wiese
… einem Schluck Champagner auf der Zunge
… feuchtem Asphalt nach einem Gewitter
… dem Leder deiner Stiefel
… Oliven und Kapern mit Balsamico
… dem Lack deiner Nägel
… deinem zerwühlten Kissen
… dem Salz auf deiner Haut
… einer gemähten Wiese im Abendrot
… dem Hauch deines Atems
… rotem Wein unter freiem Himmel
… dem Schaum auf einer Ozeanwelle
… deinen nassen Haaren
… den Blüten eines Rosenstrauchs
… dem Pfeffer auf deinem Steak
… der Lilie hinter deinem Ohr
… deinem warmen Pyjama
… Erdbeeren mit Vanille

Es riecht nach Dir.

(c) Mike Denoth

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Mitsommernacht

Retinitis|Solaris

Dieser Tage geht die Sonne nicht unter,
wach und munter
rollt sie den Horizont entlang,
vom Osten in den Süden in den Westen
in den Norden, den sie selten sieht,
von dort schleicht sie zurück woher sie kam,
anhänglich wie ein Bumerang,
das Bad im Ozean lässt sie aus,
taucht nicht unter, geht nicht auf,
schwebt stattdessen wie ein Luftballon,
erhellt die Nacht zum Tag.

Doch das Fest währt nicht lang,
der Abschied ist schon geplant,
in ein paar Tagen geht es auf die Reise
in Richtung des Wendekreises,
weiter bis zum Àquator und darüber hinaus,
dann fällt die Sonne unter den Horizont,
taucht ab ins Meer,
sieht den Norden nimmer mehr.

(c) Mike Denoth

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Netzstrümpfe

Netzstrümpfe

Am Ufer von tropischen Sümpfen
sah ich dich in Netzstrümpfen,
da war es um mich geschehen.
Dank dir und deinen Strümpfen
zappel ich in deinem Netz,
bin ganz verschossen
in dich und deine Strumpfhosen.

Lass dich küssen, lass dich kosen,
dich verführen und berühren,
deine Wärme, deinen Atem spüren.
Lass uns ineinander versinken
inmitten dieser flirrenden Sümpfe.
Hier und jetzt: nur ich
und du in deinen Netzstrümpfen.

(c) Mike Denoth

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