Factory Girl

T-Shirt-Sky-b

Die Luft ist stickig, die Hitze unerträglich,
der Rücken schmerzt, die Augen brennen,
blutig die Hände, die Finger zerstochen,
entzündet die Gelenke, die Seele gebrochen,
endlos die Stunden, endlos die Qual

Factory Girl hat keinen Namen,
ist ein Kind, eins von Tausenden,
Factory Girl näht im Akkord
vom Morgengrauen bis in die Nacht

Auf der anderen Seite der Welt,
in irgendeinem angesagten Shop
kaufst du dir statt einem T-Shirt
gleich drei zum Preis von zwei,
die musst du haben, das Angebot ist top,
denkst dir gar nichts dabei,
Hauptsache ein paar Cents gespart,
das Leben ist sonst schon hart

Factory Girl hat keinen Namen,
war ein Kind, eins von Tausenden,
Factory Girl fiel einfach um,
blieb liegen, stand nicht mehr auf

(c) Mike Denoth

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Wolke 7

Retinitis|Solaris

Im Himmel ist die Hölle los,
Tanz und Party sind angesagt,
die Engel im engen Mieder
tragen Strapse halterlos,
alle Harfen sind verstummt,
wurden mit den Braven
längst im Fegefeuer entsorgt,
schnelle Beats und Gitarrensound
jetzt aus den Boxen dröhnen,
Frankie Boy und Elvis sind da,
Jimmy umarmt Janis, die raucht mit Jim,
Johnny philosophiert mit John,
Curt und Amy lehnen an der Bar,
wo bleibt nur wieder Keith,
nicht mal eine Kokosnuss
erschlägt das zähe Biest,
auf Wolke 7 wird die Ewigkeit zum Tag gemacht,
Sex und Rock und Roll und Harleyjujah
forever.

(c) Mike Denoth

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Irgendwann

Retinitis|Solaris

Irgendwann wird einer von uns als Erster gehen, diese Welt für immer verlassen.
Dann wird der Andere noch die Geschichte fertig schreiben, bis alles gesagt und getan ist, was noch gesagt und getan werden muss.
Irgendwann wird der Zurückgebliebene dann noch das Licht abdrehen, die Wohnung zusperren und hinterhergehen.

(c) Mike Denoth

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Der Würger

Retinitis|Solaris

Er ist Beamter bei der Polizei,
leider kein Inspektor und auch kein Agent,
ein einfacher Buchhalter ist er nur,
gelangweilt und frustriert,
da noch lange nicht pensioniert,
von allen unterschätzt, ignoriert,
so gar nicht motiviert,
dazu ziemlich verkorkst und verklemmt:
nie schläft er ohne Hose und Hemd.

Schon in aller Früh zu Dienstbeginn
hat er nur den Feierabend im Sinn,
kann die Zeit kaum erwarten
die so zäh und träge fliesst
zwischen den Zahlen und Akten.
Doch seine Geduld wird stets belohnt,
denn wenn erst der Abend kommt
zeigt sich, dass noch ein ganz anderer ihn ihm wohnt.

Kaum bricht die Nacht herein
lässt er den Biedermann sein,
dann wird er zum Mörder, wird zum Killer,
ist ein Würger, wenn auch ein stiller.
Jeden Hals den er kriegt in die Finger,
drückt er zu, bis die Lippen dunkelblau,
der Körper regungslos, die Atmung flau.
Bei manchen geht es schnell, bei anderen braucht er länger,
am Ende sind sie immer tot, egal ob Frauen oder Männer.

Nach vollbrachter Tat geht er heim,
zuerst unter die Dusche, dann ab ins Bett,
immer nur mit Hose und Hemd.
Am nächsten Tag sitzt er wieder im Amt,
unscheinbar, als Mörder unerkannt,
der Spass an der Arbeit nicht überragend,
freut er sich umso mehr auf den Feierabend.

(c) Mike Denoth

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Spaghettiträger

Spaghetti

Er war für alle nur der Joe
obwohl er eigentlich Pepe hiess,
genau genommen Giuseppe,
der Koch, Kellner und Mädchen für alles
beim kleinen Italiener unten am Hafen,
du weisst schon, dort am Eck.

Vormittags schleppte Joe die Pasta
vom Keller hinauf in die Küche,
mittags warf er sie in den Topf,
dann brachte er die Nudeln
dampfend und immer al-dente
den hungrigen Gästen an den Tisch.

Eines schönens Tages sass dort allein
eine junge Frau, die nannte sich Jane,
das gefiel ihr besser als Marleen,
sie verkaufte Strümpfe und Socken
in der Boutique gleich nebenan.
Mit Jane war es um den Joe geschehen.

Am nächsten Morgen waren sie ein Paar,
bei Vino, Pasta und Tiramisu
sagten sie drei Wochen später Ja.
Sie haben sich einfach gefunden,
Joe und Jane,
der Spaghettiträger und die Strumpfhalterin.

(c) Mike Denoth

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Café Oberweite

Retinitis|Solaris

Eigentlich hatte das kleine Café, das sich unauffällig zwischen dem Gemüseladen und dem Zeitungskiosk in der hinteren Ecke des Hauptplatzes eingenistet hatte, gar keinen richtigen Namen. Ausser eben schlicht Café, wie in verblassten, vom Wetter vieler Jahre gezeichneten, daher kaum noch lesbaren Buchstaben über dem Eingang stand. Doch in der Umgebung bekannt und sogar ein kleines bisschen berühmt war es als das Café Oberweite. Ein verwegener Künstlername für eine ansonsten unscheinbare Existenz. Trotzdem verirrten sich regelmässig sogar einige Touristen, überwiegend männlicher Natur, aus der nahegelegenen Hauptstadt in falscher und rasch enttäuschter Hoffnung in besagtes Etablissement.

In dessen Inneren sassen zwar zu jeder Tageszeit einige alleinstehende Damen gelangweilt an gerade mal vier kleinen runden Tischen herum, doch hatte selbst die Jüngste unter ihnen zumeist den siebzigsten Geburtstag sowie ein eventuell früher vielleicht aus- und einladendes Dekolleté bereits Jahre hinter sich gelassen. Doch von Zeit zu Zeit hob eine dieser Protagistinnen den zittrigen Zeigefinger, um zum Erstaunen der Nichteingeweihten “Oberweite, bitte zahlen!” zu rufen.

Doch es war keine Bedienung mit entsprechenden Attributen, die daraufhin üblicherweise in Erscheinung zu treten pflegte, sondern ein Faktotum aus längst vergangenen Zeiten. Herr Weite war nämlich noch ein Oberkellner aus altem Schort und Korn, seit ewig im Café tätig und der erklärte Schwarm der anwesenden Damenwelt. Seinen Vornamen wusste er inzwischen wohl selbst nicht mehr, denn seit Menschengedenken war er für die Gäste ausschliesslich der Herr Ober Weite. Daran würde sich wohl auch nie mehr etwas ändern und das war für alle hier im Café wohltuend beruhigend.

“Herr Ober Weite, noch eine Tasse Tee bitte!”

(c) Mike Denoth

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Bonnie & Clyde

Thunderbird

Shotgun on the backseat
One hand on your knee
The other one steady on the wheel
Two dead bodies left behind
The trunk full with hundred dollar bills
The next holdup ahead
Another cop dead
Leaving a wife and two kids behind
You and me, Bonnie & Clyde
On their wild and crazy ride
It is a rollercoaster life
In that Thunderbird on its way down Route 49
Another sunset to go
You and me, Bonnie & Clyde
You and me will just be fine
Passing the Eldorado County line


(c) Mike Denoth

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